Menschen auf der Flucht

Aus zahlreichen Talkshows und durch Radiobeiträge bekannt ist Prof. Dr. Ursula Münch, die Leiterin der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Durch die Initiative der Montessori-FOS-Leiterin, Heike Kahler, und beschlossen beim jährlichen Treffen der Leiter/-innen aller Schulen im Unteren Zusamtal, erfolgte die Einladung dieser Spezialistin zu Fragen der weltweiten Migrationsbewegungen.


Mehr als 450 Schüler und Schülerinnen ab Klassenstufe 8 der weiterführenden Schulen hörten in der Stadthalle Wertingen den Vortrag von Prof. Münch. Sachlich und profund stellte die Referentin Fakten und Gründe zum Thema Flucht dar: Derzeit seien von den rund 7,6 Milliarden Menschen auf unserem Planeten nach Schätzungen der UNHCR etwa 68,5 Millionen auf der Flucht; die meisten von ihnen – etwa 40 Millionen – verlassen als Binnenflüchtlinge zwar ihre Heimat, jedoch nicht ihr Land. 85 Prozent der Fliehenden kommen nicht nach Europa, sondern werden in umliegenden Ländern ihrer Region aufgenommen. Von den Industriestaaten, die Flüchtlinge aufnehmen, liegt die Türkei mit 3,5 Millionen weit vor Deutschland mit rund 970.000 Menschen.

Prof. Münch erklärte den Schülern dann die sogenannten „Push-“ und „Pull-Faktoren“: Rasantes Bevölkerungswachstum vor allem in Staaten, in denen Mädchen und Frauen keinen Zugang zu Bildung haben, Perspektivlosigkeit in Bezug auf Arbeit und Ernährung sowie Folgen des Klimawandels wie Dürre und Überschwemmungen, sind „Push-Faktoren“. Dass die weltweit bekannten günstigen Lebensbedingungen in den reichen Ländern als „Pull-Faktoren“ wirken, sei verständlich angesichts der eigenen Aussichtslosigkeit auf ein sicheres Überleben der Familie. Anspruchsvoll für die Zuhörer – auch für die Erwachsenen, die den etwas erweiterten Vortrag am Abend im Festsaal des Schlosses hören konnten – waren die Erläuterungen von Prof. Münch zum deutschen Asylrecht. Das Dublin-Abkommen mit der Zuständigkeit der EU-Staaten an den Außengrenzen und die Erklärung von Abwanderungsgebieten wie Marokko und Algerien zu „sicheren Herkunftsländern“ sowie stärkere Grenzkontrollen und Zahlungen an die Türkei haben die hohen Zugangszahlen im Jahr 2015 wieder weit sinken lassen. „Ihr solltet diese Dinge wissen, denn Ihr seid Zeitzeugen zu diesem Thema.“ Prof. Münch gab vor allem in der Abendveranstaltung zu bedenken, dass Zuwanderung geregelt verlaufen müsse und dass es im Interesse aller sei, mit den Menschen, die bei uns aufgenommen werden, anständig, respektvoll und freundlich umzugehen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass sie nicht „dazu gehören“. „Denn das isoliert und schafft Aggressionen, die keiner will."